Warum alte Narben heute noch chronische Schmerzen woanders verursachen
Inhaltsverzeichnis (Klick zum Ausklappen)
- Das „Auseinanderbrechen“-Gefühl, das von einer Narbe kam
- Warum Narben das Erste sind, was ich checke
- Struktur vs. Neuromuskulär: Zwei Welten bei Narben
- Warum Größe und Ort der Narbe (fast) egal sind
- Was Therapeuten komplett übersehen
- Wie geht’s weiter: Könnte das bei dir eine Rolle spielen?
Das „Auseinanderbrechen“-Gefühl, das von einer Narbe kam
Warum deine Narbe – egal wie klein – der wahre Grund für deine Beschwerden sein kann
Eine Patientin kommt wegen Rückenschmerzen zu mir.
Irgendwann erwähnt sie nebenbei: „Ich kann keine Planks mehr machen. Ich hab immer das Gefühl, dass ich in der Mitte auseinanderbreche.“
Das nehme ich erstmal zur Kenntnis, kümmere mich um ihren Rücken. Wir machen verschiedene Sachen, auch ihre alte Kaiserschnitt-Narbe am Bauch schauen wir uns an.
Mit NKT (Neurokinetic Therapy) teste ich, ob die Narbe noch „aktiv“ ist – also ob sie das Nervensystem stört.
Und tatsächlich!
Die Golgi-Rezeptoren in der Narbe haben noch Probleme gemacht und verschiedene Muskeln beeinflusst.
Wir behandeln die Narbe. Ein paar Wochen später erwähnt sie wiederum nur so nebenbei:
„Ach übrigens, ich kann wieder Planks machen! Das Gefühl vom Auseinanderbrechen ist komplett weg.“ Wir sind beide geflasht.
Was war passiert? Die alte Kaiserschnitt-Narbe hatte ihr Nervensystem so beeinflusst, dass die Rumpfmuskeln nicht mehr richtig zusammengearbeitet haben.
Nicht strukturell – das Gewebe war längst verheilt. Sondern funktionell, auf neuromuskulärer Ebene.
Übrigens: Ihr Rücken wurde im Laufe der weiteren Sessions auch besser. Die Narbe war zwar nicht die Hauptursache, hatte aber auf jeden Fall einen Einfluss auf ihre Symptome.
Warum Narben das Erste sind, was ich checke
Wenn jemand mit Narben zu mir kommt, freue ich mich fast schon.
Warum? Weil relativ klar ist, dass ich da was finden werde.
Narben sind das Erste, was ich checke. Sie stehen in der Hierarchie ganz weit oben – zusammen mit Kopfverletzungen und Umknicken der Füße.
In Narben kann ich verschiedene Arten von gestörten Rezeptoren finden:
Gestörte Rezeptoren als Ursache
Mechanorezeptoren (vor allem Golgis) – die auf Dehnung, Spannung und Druck reagieren.
Nozizeptoren – umgangssprachlich „Schmerzrezeptoren“. Die registrieren Gefahr.
Beide können gestört sein. Und beide können massiven Einfluss auf deinen ganzen Körper haben.
Genauso wie alte Verletzungen können auch Narben das Nervensystem Jahre später noch beeinflussen.
Gary Ward, der Gründer von Anatomy in Motion, erklärt es biomechanisch so: Eine Narbe ist Gewebe, das nicht mehr so geschmeidig ist wie das Original.
Wenn dieses Gewebe gespannt wird, reagiert der Körper darauf.
Beispiel: Eine Narbe an der Hüfte oder Leiste. Wenn der Körper vermeiden möchte, dieses Gewebe zu dehnen, kompensiert er. Er weicht aus. Andere Bereiche des Körpers, andere Gelenke müssen dann die Bewegung übernehmen.
Aus P-DTR-Sicht: Wenn ein gestörter Golgi-Rezeptor in der Narbe sitzt, möchte der Körper vermeiden, diesen zu reizen. Er sieht die Narbe immer noch als Gefahrenstelle.
Und dann bringt er keine Bewegung mehr in diesen Bereich rein. Das löst dann eine Art Kettenreaktion oder Dominoeffekt aus, weil eben Gelenke an anderen Stellen das ausgleichen müssen.
Die wiederum sind dann auf Dauer mit der zusätzlichen Belastung überfordert – und es kommen Symptome, die man überhaupt nicht mit der ursprünglichen Ursache in Verbindung gebracht hätte…
Narben als Trigger
Noch verrückter ist: Narben können indirekt auch als Trigger fungieren.
Ein Trigger ist in meiner Welt eine eigenständige Dysfunktion, die dafür sorgen kann, dass bereits behandelte Themen wieder zurückkommen.
Du kennst das Phänomen vielleicht: du warst beim Chiropraktiker, zur Massage oder Physiotherapie und erstmal fühlt sich alles besser an. Vielleicht sind die Schmerzen sogar weg.
Aber nach einer gewissen Zeit – Tage oder Wochen – kommen die Symptome wieder. Das heisst: es gibt etwas, das die Probleme reaktivieren kann und leider bisher übersehen wurde.
Wenn ich eine Dysfunktion behandle – zum Beispiel bei Knieschmerzen – und die scheint behoben zu sein, finde ich oft trotzdem einen Trigger.
Und in ganz vielen Fällen liegt die Ursache für diesen Trigger in einer Narbe. Meistens in gestörten Nozizeptoren, die ich in dieser Narbe finde.
Struktur vs. Neuromuskulär: Zwei Welten bei Narben
Bei Narben gibt es zwei Ebenen, die man sich anschauen kann.
Beide werden im schulmedizinischen System sehr selten angeschaut. Wenn überhaupt dann sowieso nur auf der ersten Ebene, weil die zweite gar nicht gelehrt wird.
Ebene 1: Struktur
Ich kann mir das Gewebe anschauen. Ist da was verklebt? Gibt es Crosslinks? Ist das Narbengewebe gut geheilt?
Weitere Fragen, die man sich unbedingt anschauen sollt: Ist die Narbe beweglich? Geht das in alle Richtungen gleich gut?
Das kannst du selbst testen: Zieh die Haut sanft an den Rändern der Narbe in verschiedene Richtungen. Ist sie in eine Richtung weniger beweglich als in die anderen?
Dann weißt du: Auf der Ebene der Beweglichkeit gibt’s ein Problem. Vielleicht auch bei der Versorgung mit Blut und Lymphe.
Dafür gibt’s die MSTR-Methode (McLaughlin Scar Tissue Release) – die behandelt die Struktur der Narbe.
Auch da hab ich schon vieles erlebt. Erst vor ein paar Tagen wieder:
Eine Patientin kam etwa 12 Wochen Post-OP nach einer Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter) und dem Einsetzen eines Netzes im Bauchraum zu mir. Sie hat zwei Narben in den Leisten und am Bauchnabel eine, die strukturell noch etwas anders aussah.
Mit der am Bauchnabel war sie sehr unzufrieden. Ein Aspekt war, dass sie sich nicht auf den Bauch legen konnte, weil es sich sehr unangenehm angefühlt hat. Ein Grund war aus ihrer Sicht, dass sie noch sehr „knubbelig“ war.
Wir checkten die Narbe mit Muskeltests und am auffälligsten war, dass sie beim Bauchmuskeltest so gut wie gar nicht „dagegen halten“ konnte (mehr dazu gleich).
Außerdem sah ich mir die Struktur genauer an.
Bereits nach der ersten Runde MSTR waren die Knubbel schon fast weg und beim drüber streichen war sie nicht mehr ganz so taub. Noch eine Runde später und die Narbe fühlte sich für sie komplett anders an.
Dann testete sie nochmal die Bauchlage… ES GING WIEDER!
Sie war richtig happy und konnte kaum glauben, dass so eine vermeintlich kleine Maßnahme so eine Wirkung hat.
Das geht übrigens auch mit sehr alten Narben. Und jetzt stell dir mal vor: sie hat das direkt nach der abgeschlossenen Wundheilung gemacht.
Viele Menschen rennen jahre- oder jahrzehntelang mit Narben rum, die nie auf diese Sachen überprüft wurden. Und keiner kommt auf die Idee, aber alle wundern sich über die Ursachen von vermeintlich „unerklärlichen“ Symptomen.
Ebene 2: Neuromuskulär
Das wird so gut wie nie angeschaut.
Bei der gerade genannten Patientin haben wir DAS aber als erstes bei ihrer Bauchnarbe gemacht.
Ich habe nämlich noch nicht erwähnt: der erste Schritt war, dass wir die Narbe auf Golgi Rezeptoren gecheckt haben.
Tatsächlich gab es gestörte Rezeptoren. Wir behandelten sie mit P-DTR. Schon nach dieser kurzen Intervention konnte sie deutlich eine Veränderung in der Spannung des Narbengewebes spüren.
Für mich aber viel entscheidender: Muskeln, die vorher inhibiert waren arbeiteten wieder richtig.
Spektakulär für uns beide: Beim Bauchmuskeltest konnte sie auf einmal richtig gut gegenhalten, sie hatte überhaupt kein Problem mehr, Kraft in diesem Bereich zu erzeugen. Wo sie vorher sofort ausweichen wollte und die Beine sofort nachgegeben hatten, war es jetzt relativ easy für sie.
Stell dir vor was das auf Dauer für Auswirkungen haben kann, wenn es nicht behandelt wird. Kompensationen, die in ganz anderen Körperbereichen stattfinden müssen, um diese Sache auszugleichen. Und die dann Symptome hervorrufen, die man niemals mit dieser „Mini“-Narbe in Verbindung gebracht hätte.
Rücken-, Knie-, Schulter-, Hüftschmerzen – you name it.
Wie kann man das checken?
Also: Narben können das Nervensystem beeinträchtigen.
Bei NKT (Neurokinetic Therapy) schaut man sich an, wie Narben auf Muskeln wirken. Meistens sind’s die Golgi-Rezeptoren.
Bei P-DTR schauen wir uns das noch differenzierter an: Sind es Mechanorezeptoren oder Nozizeptoren, die gestört sind?
Und in super vielen Fällen ist es so: Die Narben haben noch Rezeptoren drin, die ein Problem haben.
Vor allem, wenn die Narben in Verbindung stehen mit Erlebnissen bei der OP oder Verletzung, die die Leute emotional mitgenommen haben.
Diese emotionalen Trigger können die Heilung massiv beeinflussen – auch wenn die Struktur längst verheilt ist.
Aus Anatomy-in-Motion-Sicht spielt beides eine Rolle – Struktur und neuromuskuläre Probleme. Beide beeinflussen Bewegungen und vor allem den Gang.
Wenn das Nervensystem diese Bereiche umgehen möchte, weil es sie nicht nutzen kann, leidet das Gangbild.
Man sollte sich beide Aspekte anschauen. Nicht nur eins von beiden.
Warum Größe und Ort der Narbe (fast) egal sind
Das Verrückte: Es geht nicht um die Größe.
Ich hab schon winzige Narben von Spinalanästhesien gesehen, die massive Probleme gemacht haben. Oder Muttermalentfernungen. Oder Arthroskopie-Narben am Knie.
Genauso ist es egal, ob es Narben sind, die direkt in der Nähe der Verletzung oder OP-Stelle sind oder weiter weg.
Es können auch welche von ganz anderen Ereignissen sein, die trotzdem verknüpft sind.
Eine Blinddarm-Narbe kann heute deine Nackenprobleme verursachen. Ein Leistenbruch von vor 20 Jahren kann heute deine Knieschmerzen machen. Eine kleine Narbe am Rücken von einer Spinalanästhesie kann deinen ganzen Körper beeinträchtigen.
Narben stehen in der Hierarchie ganz weit oben. Wenn jemand zu mir kommt mit Narben, ist das das Erste, was ich mir anschaue.
Besonders spektakulär: Narben im Gesichtsbereich.
Der Kopf ist das Wichtigste für den Körper. Das muss er am meisten schützen. Wenn da irgendwas los ist, wird er ganz viel dafür tun, um zu kompensieren.
Die ersten drei Sachen, die ich bei Leuten anschaue:
- Kopfverletzungen – höchste Priorität → Mehr zu Kopfverletzungen
- Umknicken mit den Füßen – riesige Bedeutung → Mehr zum Umknicken
- Narben – egal wo sie sind
Das sind die Top-Prioritäten, die man sich bei fast allen Beschwerden – vom Fuß, über Knie-Hüfte-Rücken bis hin zu Schultern und Nacken – IMMER anschauen sollte.
Was Therapeuten komplett übersehen
In unserem medizinischen System werden Narben stiefmütterlich behandelt.
Das Einzige, was im besten Fall empfohlen wird: Nach OPs mit Heparin-Salbe massieren, damit das Gewebe geschmeidig bleibt.
Manchmal wird manualtherapeutisch versucht, die Narbe beweglich zu bekommen. Mit Instrumenten, Stiften – manchmal so schmerzhaft, dass es kontraproduktiv ist.
Aber neuromuskulär? Da wird fast nichts gemacht.
Was heißt fast nichts? Da wird gar nichts gemacht.
Viele schauen – wenn überhaupt – nur auf die Struktur: „Ist die Narbe beweglich? Gut, dann ist alles okay.“ Aber diese neuromuskulären Zusammenhänge kennt kaum jemand.
Mir sind diese Dinge erst begegnet, als ich angefangen habe, mich mit Neurokinetic Therapy (NKT) zu beschäftigen.
Bei P-DTR kam das Thema noch intensiver, weil so viele gestörte Rezeptoren in einer Narbe sitzen können.
Und das muss ich wirklich sagen: Das ist in Deutschland nochmal schlimmer als im Rest der Welt. Es gibt viele Länder, wo diese Konzepte sehr viel weiter verbreitet sind. Bei uns wird’s belächelt.
Was du machen kannst
Ich hab noch nie einen Arzt mitbekommen, der sich damit auseinandergesetzt hätte. Vielleicht noch in der Osteopathie – aber da wird meistens auch eher die Struktur angeschaut.
Oder mit Neuraltherapie. Aber auch hier wird die Narbe „nur“ unterspritzt und gehofft, dass sich diese dann „entstört“. Wenn es klappt super! Aber es ist aus meiner Sicht noch besser, das Ganze gezielt anzuschauen und dann auch zu behandeln.
Von den meisten Therapeuten und so ziemlich allen Ärzten wird dieses Neuromuskuläre aber komplett übersehen.
Dabei gibt’s so viele Möglichkeiten mit Narben zu arbeiten:
Für die Struktur: MSTR (McLaughlin Scar Tissue Release)
Für’s Neuromuskuläre: P-DTR, NKT, Anatomy in Motion
Naturheilkunde: Pflanzliche Inhaltsstoffe (Beinwell u.a. in Traumaplant, Traumeel, Kytta-Gel), ätherische Öle
Und dann ist da noch die emotionale Ebene: Was in den Erinnerungen an die Ereignisse, die mit Narben zusammenhängen, alles an Triggern drinstecken kann.
Mehr dazu, wie mentale und emotionale Faktoren als Trigger wirken, erfährst du hier.
Ein Riesenthema. Das komplett links liegen gelassen wird.
Wie geht’s weiter: Könnte das bei dir eine Rolle spielen?
Wenn du eine Narbe hast – egal wie klein oder alt – könnte sie heute noch deine Beschwerden verursachen.
Und wenn du denkst du hast keine Narbe: Überleg nochmal!
Wie oft ich schon erlebt habe, dass in meinem Anamnesebogen angeklickt wurde, dass der- oder diejenige keine Narben hat. Und dann sprechen wir in der Praxis drüber oder fangen mit der Behandlung an – und es taucht doch noch die ein oder andere Narbe auf.
Einfach vergessen! Oft messen wir ihnen eben nicht so viel Bedeutung bei und sind uns vielleicht gar nicht bewusst, dass eine Operation IMMER Narben hinterlässt. Oder ein (kleiner) Unfall, den wir mal hatten und schon wieder verdrängt hatten.
Blinddarm-OP, Kaiserschnitt, Arthroskopie, Spinalanästhesie, Muttermalentfernung, Unfälle, Stürze – alles kann eine Rolle spielen.
Die Größe ist egal. Der Ort ist (fast) egal.
Was zählt: Ob die Rezeptoren in der Narbe noch gestört sind. Ob dein Nervensystem diese Stelle immer noch als Gefahrenzone sieht.
Falls du den Verdacht hast und bei deinen Beschwerden einfach nicht weiterkommst, ist es auf jeden Fall einen Versuch wert, auch deine Narben mal genauer anzuschauen.
Die Geschichte vom Anfang und die der Patientin mit der Bauchnabelnarbe sind nur zwei von unzähligen Beispielen, die ich in meiner Praxis bereits erlebt habe. Und ganz oft lag darin einer der Schlüssel für den nächsten Quantensprung in der Behandlung.
OPTION 1: MACH DEN GAME-CHANGER TEST
Finde heraus, welche ANDEREN versteckten Faktoren bei dir noch eine Rolle spielen könnten.
OPTION 2: MÜNCHEN/UMGEBUNG
Buch dir einen Termin – ich teste gezielt, welche Trigger bei dir aktiv sein könnten.
OPTION 3: REST VON DEUTSCHLAND
Trag dich auf die Warteliste für den Online-Kurs „Körper verstehen, Muster erkennen“ (Start: Frühjahr 2026)
→ Umknicken: Der unterschätzte Faktor bei chronischen Schmerzen
→ Alte Verletzungen: Warum vergessene Unfälle heute noch schmerzen
→ Kopfverletzungen: Warum alte Schläge auf den Kopf Probleme machen
→ Mentale Faktoren: Wie Emotionen Schmerzen triggern
→ Alle Faktoren im Überblick







