Alte Verletzungen:
Wie vergessene Unfälle heute noch Schmerzen woanders verursachen

Der vergessene Skiunfall

Warum eine Verletzung von vor Jahren der wahre Grund für deine heutigen Beschwerden sein kann

„Ich versteh das nicht“, meint Thomas beim ersten Termin.

„Meine Schulter macht seit Monaten Probleme, aber ich hab da nie was gemacht. Die Ärzte finden nichts, Physio bringt auch nix.“

Irgendwann erwähnt er beiläufig einen Skiunfall vor 20 Jahren.

Bei mir klingelt’s sofort. Denn genauso wie bei Narben können auch alte Verletzungen das Nervensystem Jahre später noch beeinflussen.

„Aber das war ja nur ne Prellung am Brustkorb, hat doch nichts mit der Schulter zu tun.“

Sicher?

Unser Körper denkt nicht in Fachbereichen. Er ist ein vernetztes System, wo eine alte Fußverletzung von vor über 20 Jahren heute Nackenschmerzen machen kann. Also gerade wenn’s ums Umknicken, werde ich sofort hellhörig.

Potentiell kann jedes Symptom mit alten Verletzungen in Verbindung stehen, die du schon gar nicht mehr auf dem Schirm hattest.

In meiner TOP 3 der am häufigsten übersehenen Faktoren mischen im Übrigen auch besonders Kopfverletzungen ganz weit oben mit. Weil sie weitreichende Folgen haben, die niemand mit den aktuellen Beschwerden zusammenbringen würde.

Bei Thomas hab ich dann mit P-DTR getestet, ob der alte Schlag aufs Brustbein noch Störungen in den Rezeptoren hinterlassen hat.

Und tatsächlich!

Sein Nervensystem war immer noch auf „Alarm“ wegen dieser uralten Geschichte. Die Muskeln in Schulter und Arm haben nicht optimal reagiert, weil das System dachte, es muss den Brustkorb schützen.

Erst als wir diesen Aspekt in die Behandlung integrierten, wurden seine Beschwerden besser. Natürlich war es nicht das einzige, was wir gemacht haben, aber es war ein fundamentaler Bestandteil.

Das erste Problem: Gestörte Rezeptoren

Das Verrückte: Das verletzte Gewebe war längst geheilt. Strukturell war alles okay – Knochen, Muskeln, Bänder.

Aber die Rezeptoren im Brustbein – spezialisierte Zellen, die mechanische und chemische Reize wahrnehmen – haben fehlerhafte Signale ans Gehirn gesendet.

Sie waren sozusagen „überempfindlich“ und haben etwas wahrgenommen, obwohl da gar nichts mehr los war. Und haben so den ganzen Körper in einem Spannungsmuster gehalten.

Rezeptoren sind wie Sensoren. Über die zugehörigen Leitungsbahnen bekommt das Gehirn ständig Informationen, was im Körper oder der Umwelt los ist. Wenn sie durch eine Verletzung gestört werden, kann es passieren, dass sie Jahre später noch Alarm schlagen – auch wenn strukturell alles längst verheilt ist.

Das Gehirn bekommt diese falschen Signale und reagiert darauf: Es schützt den Körper, indem es Muskeln hemmt, andere übermäßig anspannt und Kompensationsmuster aktiviert. So entstehen Dysbalancen auf verschiedenen Ebenen und können Symptome beeinflussen.



Wichtig: Es sind meist nicht direkte Kausalzusammenhänge.

Also: Nur weil ein gestörter Rezeptor im Brustbein vorhanden war, war der nicht die alleinige Ursache für Thomas Schmerzen. Aber es hat den Körper in seiner Heilung beeinträchtigt.

Mehr zu dieser Thematik mit den gestörten Rezeptoren findest hier:

→ Gestörte Rezeptoren bei Narben

→ Gestörte Rezeptoren bei Übungen, die’s schlimmer machen

→ Gestörte Rezeptoren in Bändern

Genauso wichtig: Biomechanik

Neben den Rezeptorstörungen gibt es bei alten Verletzungen noch einen anderen großen und fast schon simplen Bereich, der eine Rolle spielt.

Umso faszinierender finde ich es, dass sowas beim Orthopäden so gut wie NIE abgefragt wird.

Da wird möglicherweise sogar abgewunken, wenn man darauf hinweist, dass man vor Jahren mal einen Bruch am rechten Fuß hatte. Und sich dann noch anmaßt zu fragen, ob das vielleicht mit den Knieschmerzen am anderen Bein zu tun haben könnte.

Es geht um biomechanische Zusammenhänge.

Ganz banal gesagt, kann zum Beispiel das Umknicken mit dem Fuß dazu führen, dass später Probleme an ganz anderen Stellen entstehen.

Dadurch, dass du eine Zeitlang diesen Fuß anders oder kaum belasten kannst, werden sich Kompensationen einschleichen. Und im blödesten Fall bleiben die auch nach der Heilung des verletzten Fußes weiter bestehen und machen sich später an ganz anderen Stellen im Körper bemerkbar.

Und keiner kommt auf die Idee, da mal hinzuschauen.

In diesem Artikel habe ich das etwas ausführlicher beschrieben:

→ Umknicken: Versteckte Ursache chronischer Schmerzen

Teufelskreis Schonhaltungen und Ausweichbewegungen

Letztendlich gilt das für alle Arten von Verletzungen. Egal ob an den Beinen, Rumpf, Oberkörper oder Armen.

Schmerz hat die Aufgabe dafür zu sorgen, dass du diese Stelle schonst. Du sollst im wahrsten Sinne die Füße still halten.

Das ist bei akuten Schmerzen absolut sinnvoll und wichtig!

Du läufst sonst Gefahr, dass das, was da gerade kaputt gegangen ist oder droht kaputt zu gehen, noch mehr schädigst, wenn du dich weiter bewegst und belastest.

Schwierig wird es dann, wenn es chronisch wird, weil dein Körper dieses Verhalten „einschleift“. Dadurch, dass dein Gehirn die Bewegungen, die die Stelle reizen könnten meidet, findet es auch nach der Heilung im schlechteren Fall nicht von alleine heraus, dass das eigentlich schon wieder geht.

Das Gehirn vermeidet die Bewegung, die ihm zeigen könnte, dass es eigentlich wieder easy gehen würde. Und dann wird ein Schuh draus.

Bei Anatomy in Motion schauen wir auf den gesamten Körper, wie Füße und alle Gelenke im Gang miteinander zusammenarbeiten und wo Kompensationen statt finden. Und dann werden diese mit gezielten Übungen angegangen.

Oder es ist eine Kombination mit den oben erwähnten Rezeptorstörungen. Es wird weiterhin die Gefahr einer Schädigung gemeldet, obwohl längst alles verheilt ist. Und aufgrund dessen finden immer noch Ausweichbewegungen und Kompensationen statt.

Dann kommt es auf Dauer zu Dominoeffekten an ganz anderen Stellen. Und weil der Körper so gut darin ist zu kompensieren, fühlst du dann Schmerz an diesen anderen Stellen mehr als am Ausgangspunkt, von dem aus alles losging.

Warum dein Hirn deine Schmerzen in Kauf nimmt

Ein wichtiger Aspekt: Man sollte sich immer klar machen, dass das Gehirn hiermit immer wieder einen Deal eingegangen ist und immer noch eingeht.

Es weicht immer weiter aus und auf Dauer droht eine Überlastung dieser anderen Bereiche des Körpers. Bis da nix mehr geht und Symptome auftreten.

Bewusst nimmt man natürlich dann diese Schmerzen wahr. Und weil es so ätzend ist, kommt man gar nicht auf die Idee, dass da was anderes zugrunde liegen könnte. Vor allem wenn das auch noch ewig her ist.

Zusammengefasst: Der Schutz dieser „ursprünglichen“ Verletzung ist deinem Gehirn simpel gesagt mehr wert!

Es nimmt lieber die Schmerzen an anderen Stellen in Kauf und somit auch eine Überlastung und letztendlich eine Schädigung dieser Gewebe.

So verdammt wichtig ist deinem Gehirn diese alte Verletzung!

Und da kommen dann beide Aspekte zusammen: Gestörte Rezeptoren erwecken fürs Gehirn den Eindruck, dass da was super wichtiges geschützt werden muss und biomechanisch weicht der Körper dann immer weiter aus. Bis dann irgendwo die Sollbruchstelle kommt, die du als dein aktuelles Problem wahrnimmst.

Wichtig ist noch diese Anmerkung: Es gibt nicht DIESE EINE alte Verletzung, die an allem Schuld ist.

Es geht vielmehr darum die „Zwiebel“ zu schälen mit allem, was dir bisher in deinem Leben so passiert ist und sich vielleicht gegenseitig verstärkt haben könnte.

Warum Therapeuten das oft übersehen

Die meisten Ärzte und Therapeuten fragen nie nach alten Verletzungen – schon gar nicht nach denen, die scheinbar „nichts damit zu tun haben“.

Und, ja, mir ist auch klar: In 15 Minuten kannst du nicht die komplette Lebensgeschichte durchgehen.



Aber das Problem ist: Die meisten fragen gar nicht erst. Sie schauen nur auf die schmerzende Stelle und übersehen dabei wichtige Zusammenhänge. Oder tun sie als unwichtig ab.

Zusammenhänge, die in manchen Fällen DER Game-Changer sein können.

Sie schauen auf die Schulter, behandeln die Schulter, und wenn’s nicht besser wird, gibt’s im besten Fall halt noch mehr Übungen für die Schulter. Selbiges gilt natürlich bei Knie, Fuß, Hüfte, Rücken, Handgelenk, Nacken usw.

Das Problem: In der Ausbildung lernt man, in Körperbereichen zu denken. Schulter = Schulterproblem. Knie = Knieproblem.

Aber der Körper funktioniert nicht so. Eine alte Fußverletzung kann heute Knie- oder sogar noch weiter oben Nackenschmerzen beeinflussen. Ein Sturz aufs Steißbein oder Schlag auf den Kopf vor 10 Jahren kann deine aktuellen Rückenschmerzen mit verursachen.



Und selbst wenn jemand nach alten Verletzungen fragt – die wenigsten wissen, wie man alte Rezeptoren-Störungen testen und behandeln kann.

Mit P-DTR geht das. Ich teste, ob die Rezeptoren im geheilten Gewebe noch Störungen haben. Genauer gesagt, bestimmte Bereiche im Gehirn und seinen Leitungsbahnen, die diese Informationen verarbeiten. Ich checke, ob das Nervensystem noch auf „Alarm“ ist.

Anhand meiner eigenen Geschichte mit einem Tennisellenbogen beschreibe ich im Artikel zu Kopfverletzungen ausführlicher, wie solche Zusammenhänge mit alten Verletzungen aussehen können. Hier kommst du direkt zur Erklärung.

Wie geht’s weiter: Könnte das bei dir eine Rolle spielen?

Wenn du eine alte Verletzung hattest – egal wie lange her – könnte sie heute noch deine Beschwerden mit verursachen.

Wenn du schon mal umgeknickt bist, aufs Steißbein gefallen bist oder dir irgendwo ordentlich eine geholt hast – dein Körper könnte das heute noch „gespeichert“ haben.

Falls du „stuck“ bist und bei deiner Therapie nicht weiterkommst, ist es auf jeden Fall einen Versuch wert, auch in diesem Bereich auf die Suche zu gehen. Oft liegt da viel Potential, das bisher einfach nur nicht adressiert wurde.

OPTION 1: MACH DEN GAME-CHANGER TEST

Finde heraus, welche ANDEREN versteckten Faktoren bei dir noch eine Rolle spielen könnten.

OPTION 2: MÜNCHEN/UMGEBUNG

Buch dir einen Termin – ich teste gezielt, welche alten Verletzungen bei dir noch „aktiv“ sind.

OPTION 3: REST VON DEUTSCHLAND

Trag dich auf die Warteliste für den Online-Kurs „Körper verstehen, Muster erkennen“ (Start: Frühjahr 2026)

Mehr zum Thema

→ Narben: Warum sie chronische Schmerzen verursachen können
   
→ Kopfverletzungen: Der unterschätzte Faktor bei Schmerzen
  
→ Umknicken: Viel zu oft noch ein Problem und viel zu wenig berücksichtigt
  
→ Alle Faktoren im Überblick

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